Eselliebe, Patchwork und Wolke 7 – ein Weihnachtsblog


von Maja Schanovsky am

Ich liebe Landduft.

Zumindest im Urlaub. Ich liebe Esel, solange ihr Geschrei nicht neben meinem Schlafzimmer stattfindet. Einen Strohsack anstatt eines Bettes liebe ich nicht, auch nicht im Urlaub. Ganz bestimmt hätte ich kein Bedürfnis, in einem Ambiente mit dieser Kombination ein Kind zur Welt zu bringen.

Und doch feiere ich jedes Jahr, dass jemand das getan hat! Vor rund 2025 Jahren in einem Stall in Bethlehem bringt eine junge Frau im strengen Geruch von Kühen, auf einem Strohlager, vielleicht beim nervtötenden Geschrei eines Esels, ein Baby zur Welt. In alleiniger Gegenwart ihres Verlobten, von dem das Kind gar nicht ist.

Im Stillen hoffe ich…

dass außer den Hirten, diesen rauen Gesellen vom Rand der damaligen Gesellschaft und den Weisen aus dem Morgenland mit ihren kostbaren, aber im Moment nicht so nützlichen Geschenken auch die eine oder andere Frau aus Bethlehem Maria zumindest ein paar Windeln und etwas zu essen gebracht hat. Dass vielleicht einer der Wirte, die keinen Platz in ihrer Herberge für das Paar hatten, Josef auf ein Glas Wein zum Anstoßen eingeladen hat. Alles in allem aber schon recht einsam und armselig.

Wie kann es sein, dass diese doch etwas bizarr anmutende Szenerie heute noch jedes Jahr rund um den Erdball gefeiert wird? Von Menschen, die daran glauben, dass dies das größte Ereignis war, das die Menschheit jemals erlebt hat?

Patchworkfamilie auf Reisen

Weihnachten wird „das Fest der Familie“ genannt – und ja, es ist das Fest dieser besonderen Familie, die uns heute noch bewegt. Eigentlich einer Patchworkfamilie. Die junge Frau, die zu einem Baby „Ja“ sagt, von dessen Existenz sie auf höchst eigenartige Weise erfährt. Der Mann, der auf seine Träume hört und seine Verlobte nicht still und heimlich aus der Beziehung entlässt, sondern zu ihr steht. Und das Baby selbst. Ein zerknautschtes Neugeborenes, das auf der Durchreise zum Ausgangspunkt unserer Zeitrechnung wird.

Wolke 7

Tatsächlich glauben wir als Christen, dass dieses Baby Gott selbst ist, der Mensch geworden ist. Der nicht auf Wolke 7 sitzen geblieben ist, oder anders ausgedrückt in seiner göttlichen Dimension. Der in seiner Sehnsucht nach unbedingter Nähe zu uns Menschen einer von uns geworden ist, um uns die Wolke 7, oder besser die göttliche Dimension, zugänglich zu machen. Damit wir ihn in unserem Leben immer an unserer Seite wissen und in ihm nicht nur unseren allmächtigen Schöpfer haben, sondern auch einen Vater, einen Freund, einen Bruder.

Wir glauben, dass dieses Baby einmal der sein wird, der uns aus aller Not rettet. Der uns durch sein Leben, seinen Tod und seine Auferstehung mitnimmt in seine Heimat, in das „Haus“ des Vaters – für immer.

Kein Lamettaglitzer in der Großwetterlage

Weihnachten ist dieses Jahr wahrscheinlich für die meisten von uns zumindest ein wenig anders als sonst. Wird es überhaupt ein Fest der Familie sein, wenn wir nicht mit so vielen zusammenkommen können wie wir es gewöhnt sind? Vergeht uns womöglich angesichts der Großwetterlage auf dieser Welt alles Glitzernde, Fröhliche, alle Feierlaune? Oder vielleicht haben wir die letzten Monate schon so viel Familie auf engem Raum zusammengedrängt erlebt, dass wir da eigentlich mal lieber Pause hätten?

Jesus ist im Kuhgeruch in einer finsteren Höhle zur Welt gekommen. Genau das will er auch heute – ganz klein, ganz sanft bei uns ankommen, da wo es am finstersten, am stinkigsten, am armseligsten, am traurigsten, am einsamsten ist. Oder auch dort, wo wir von alldem nur ein bisschen in uns haben. Da, wo unsere Verletzungen sind, unsere Brüche, unsere Zweifel, Ängste und Sorgen. Und wer hat die nicht?

 

Friede, Freude, Weihnachtsgans…

gibt es auch. Immer wieder mal. Aber oft eben auch nicht. Deswegen feiern wir dieses Fest auch heute noch. Weil wir den feiern, der mit uns im Finstern sitzt und das Licht wieder anknipst. Weil er der Gott ist, der ganz und gar und ohne Bedingung mit uns ist. Weil er der ist, der selbst über die schiefste Großwetterlage immer noch der Herr ist und weil er uns mit einem Virus der anderen Art anstecken will. Mit dem Virus, das Gutes verbreitet, das Liebe wachsen lässt und Hoffnung und neue Zuversicht. Weil er der Super-Spreader ist.

 

Gesegnete Weihnachten!

Ich wünsche euch von Herzen ein in diesem Sinn ansteckendes und gesegnetes Weihnachtsfest und die bedingungslose Nähe unseres Gottes, der alle Distanzen überwunden hat. Ich wünsch‘ euch, dass ihr mit denen zusammen sein könnt, die euch wichtig sind, und dass ihr zumindest im Herzen viele mit hineinnehmen könnt, die es in diesen Tagen besonders schwer haben. Ich wünsch’ euch Phantasie und kreative Ideen, gerade diesen Menschen Zuwendung zu schenken. Und dass ihr euch nicht vor zu viel Nähe auf den *Weihnachts*keks geht, sondern es gut und friedlich und froh zusammen habt! Mit oder ohne Weihnachtsgans.

 

Hier noch zwei Lieblingslieder, die ich gerade so passend finde:

Mary, Did you know

Zünd a Liacht für di an

Maja Schanovsky

Missionsleiterin und -ausbildnerin
Leitung Studentenheim
in Akademie für Dialog und Evangelisation

(Christ-)Followerin👣, Menschenfreundin😊, Detailliebhaberin🍁, Farbenfrohe🌈, Doromanische🎁, Kaffeetante☕, Heliophile🌞, Chocoholic🍫, Käsespezialistin 🧀, Weinsympathisantin🍷, Abendmensch🌛, Picaddict📸, Musicpassionate🎻, Movielikerin🎬, Leseratte📚, Viennafreak🎡, Worldfan🌍, All in all Life-Loverin 💕

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Bildquellen

  • Esel: Bild von Ansgar Scheffold auf Pixabay
  • Strohballen: Bild von Gerhard G. auf Pixabay
  • Landschaft mit Wolke: Bild von Bessi auf Pixabay
  • Babyfüße: Bild von esudroff auf Pixabay
  • Gänse: Bild von Ralf Siebeck auf Pixabay
  1. Maja du bist „a Wahnsinn!!“
    Echt grossartig dein Weihnachtsblog!
    Hoffnung- und Segenbringende Weihnachten für dich und alle deine Lieben!

    1. Ganz herzlichen Dank, liebe Gabi! Dir und der ganzen family auch eine frohe, gute und hoffnungsvolle Weihnachtsoktav!

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