Europa-Lehrgang: Zusammenführen statt Auseinandertreiben


von Thomas Por am

Vor nicht allzu langer Zeit durften wir am Minoritenplatz bei der Jahresabschluss-Feier des Figlhaus Wien Corona-konform den Abschluss eines spannenden und lehrreichen Jahres feiern. Stellvertretend für alle AbsolventInnen des EU-Lehrganges durfte ich vor der Zertifikatsvergabe unsere Erfahrung Revue passieren lassen.

„Zusammenführen statt Auseinandertreiben“, sagte der Bundespräsident in seiner Videobotschaft bei der Abschlussfeier. Genau in diesem Sinne sind wir vor knapp einem Jahr ins Figlaus eingeladen worden. Wir – nunmehr zertifizierte EU-Experten – sind junge Menschen aus den verschiedensten Disziplinen, unterschiedlicher Weltanschauung und politischer Überzeugung. Allein das gemeinsame Interesse für Europa hat uns im Figlhaus zusammengeführt. Im respektvollen Dialog miteinander haben wir sowohl über Visionen und Ideen als auch Ängste und Hoffnungen für unser Europa gesprochen.

Die Grundlagen und die Historie der Europäischen Union aus den unterschiedlichsten Blickwinkeln zu beleuchten, hat uns gelehrt, die Europäische Integration als einen bislang unvergleichlichen, historischen Prozess ohne klar definiertes Ziel zu verstehen. Ein Prozess, der kein Selbstläufer ist – ein Prozess, der Fürsprecher braucht. Vor allem müssen wir wieder mehr Mut fassen, konkret darüber nachzudenken, in welchem Europa wir in Zukunft leben möchten. Es braucht EuropäerInnen, die nicht nur sagen, dass sie Europa wollen, sondern welches Europa sie wollen.

Bei der Studienreise zu den europäischen Institutionen in Brüssel und während der vielseitigen Vorträge konnten wir wertvolle Einblicke in die praktische Umsetzung institutioneller Prozesse gewinnen. Das komplexe Zusammenspiel verschiedener Institutionen und Interessen aus der persönlichen Arbeitsrealität der Vortragenden zu verstehen, war eine besonders gewinnbringende Erfahrung.

Otto Neubauer hat in der ersten Einheit den Wunsch formuliert, am Ende solle jeder Teilnehmer zumindest einmal mit jedem anderen gesprochen haben. Ich meine, dass wir dieses Ziel erreicht haben und darüber hinaus viele Freundschaften schließen konnten. Auch beim gemütlichen Zusammensein danach konnten wir nicht nur über Politik, sondern auch ausgiebig über Gott und die Welt sprechen. Es war vor allen Dingen die Offenheit gegenüber unterschiedlichen Meinungen und neuen Perspektiven, die den Diskurs so breit und diese Erfahrung so bunt gemacht haben.

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