Problemkind Plastik


von Julia Pahl am


Vor etwa einem Jahr strandeten zwei Pottwale an der Küste Deutschlands. Ihre Mägen waren voller Plastik und Autoteile. Dies ist möglich, weil 140 Millionen Tonnen Müll, das meiste davon Plastik, im Pazifischen Ozean treiben. 140 Millionen Tonnen, das ist eine Fläche von 3,4 Millionen Quadratkilometern. Ein Plastikkontinent in der Größe Indiens. Wer kümmert sich darum? Über das Problemkind Plastik und wie die Gesellschaft umerzogen werden muss.

Eine scheinbare Erfolgsgeschichte

 

Plastik feiert heuer sein 110-jähriges Jubiläum. So lange ist der Kunststoff nun im Umlauf, so lange erfreut er die Weltbevölkerung schon an seinen grenzenlosen Anwendungsmöglichkeiten, an seiner leichten Verformbarkeit. Als der Kunststoff 1907 patentiert wurde, empfand man das unkomplizierte Allzweckmittel als durch und durch positiv, das Glas in Leichtigkeit, Stabilität und Effizienz überlegen war. Das ist Plastik immer noch. Es gibt nahezu keinen industriellen oder kulturell-gesellschaftlichen Bereich, in dem Plastik nicht vorkäme. Das lang ersehnte Nachwuchsbaby der Gesellschaft, das so lange gute Dienste erwiesen hat, ist inzwischen jedoch zum großen Problemkind geworden, mit dem man nicht mehr so recht weiß wohin. Denn Plastik ist nicht biologisch abbaubar und landet ohne Recycling oft in der Natur. Die Problematik mit Plastik liegt aber weniger am Kunststoff selbst, als am gesamtgesellschaftlichen Unvermögen, das Material richtig zu entsorgen und nur in Maßen überhaupt zu verwenden. Das ist dann der Fall, wenn durch seine Leichtigkeit weniger Treibstoff beim Transport verbraucht wird und somit die Ökobilanz besser ausfällt, als wenn Flüssigkeiten beispielsweise in schweren Glasflaschen transportiert werden.

 

 

Weniger Plastik ist Meer

Ein viel zu großer Anteil des Plastikmülls landet in den Ozeanen. Der junge niederländische Wissenschaftler Boyan Slat will gegen dieses Problem vorgehen und entwirft und testet daher seit 2012 ein Projekt, das die Meere vom angesammelten Plastikmüll befreien soll. „The Ocean-Cleanup“, das mehrheitlich durch Crowdfunding finanziert wird, besteht aus einem riesigen Netz aus 50 km langen Schläuchen und ist laut Slat in der Lage, 90 % des schwimmenden Plastikmülls aufzufangen. Seit 2016 sind Prototypen vor Tsushima, einer Inselgruppe zwischen Japan und Südkorea und der norwegischen Küste in Betrieb. Seine Umsetzbarkeit ist seither belegt, zahlreiche Forscher gehen außerdem davon aus, dass das Projekt höchst effektiv sein wird.

 

Eigeninitiative

Zugegebenermaßen: Nicht jeder kann mit einer selbst entwickelten Technologie mal eben kurz kurz die Welt retten. Muss man auch gar nicht. Noch besser ist es nämlich, durch eigene Kaufentscheidungen dafür so sorgen, dass das ganze Plastik erst gar nicht in den Ozeanen landet. Und das heißt, Plastik wo immer es geht zu vermeiden.

Mit den folgenden Tipps und Tricks unterstützt man den Umweltschutz aktiv.

 

Plastikalternativen: Tipps und Tricks

  • Meidet Gemüse und Obst, das in Plastik verpackt ist. Es gibt immer auch unverpackte Alternativen.
  • Auch wenn es praktisch ist: Vermeidet ebenso die Plastiktaschen, die neben der Waage bei Gemüse und Obst liegen. Allein in Österreich werden im Jahr 1 Mrd Plastiktaschen verbraucht. Jede davon benötigt einige hundert Jahre bis sie vollständig zersetzt ist.
  • Vorsicht Mikroplastik! Die allerkleinsten Plastikteilchen findet man unter anderem in Kosmetika. Entscheidet euch für Kosmetikprodukte die kein Mikroplastik enthalten, denn dieses landet erst im Meer und später in unserem Essen. Mikroplastik wurde bereits in Fisch, Milch und Honig gefunden und kann den menschlichen Hormonhaushalt schädigen.
  • Plastikfrei unterwegs sein ist einfach: Kauft euch Brotdosen oder Trinkflaschen aus Metall oder Glas.
  • Hoffentlich bald kein Geheimtipp mehr: Beim Greissler kauft man ganz ohne lästige Plastikverpackung ein, und zwar von allem immer genau so viel wie man möchte. So wird außerdem dem Wegwerftrend bei Lebensmitteln entgegen gewirkt. Näheres auf  http://www.der-greissler.at/oder bei Lunzers Maß-Greisslerei auf http://mass-greisslerei.at/.
  • Bye bye Alufolie! Über die Gesundheitsschädlichkeit von in Alufolie gewickelten Lebensmitteln wird seit Jahrzehnten debattiert. Fakt ist allemal: Alufolie ist schlecht für die Umwelt. Und die Alternative aus Bienenwachs ist um einiges stylischer. Mehr auf https://www.einfach-ohne-plastik.at/shop/32-bienenwachs-tuecher
  • Apropos stylisch: In fast allen Modeartikeln sind Kunststoffe enthalten. Doch es gibt genügend modische Alternativen, die fair gehandelt, vegan und in der Nähe produziert werden. Das macht man zum Beispiel so bei „Hanf im Glück“, „Gea“, „Zerum“, „Perviva“ und „Avocado-Store“.
    Engagiert euch selbst an Natur-Frühjahrsputz-Aktionen in eurer Nähe. Vom 27. April bis 7. Mai bittet beispielsweise die MA48 heuer wieder alle Wienerinnen und Wiener um Unterstützung bei der Stadtreinigung, denn Plastik hat nicht nur in den Meeren, sondern auch in unseren Parks nichts verloren.
  • Wenn ihr dafür keine Zeit, dafür aber etwas mehr Geld übrig habt, ist eine finanzielle Unterstützung für „The Ocean-Cleanup“ sicher eine gute Idee. Alle Infos dazu auf https://www.theoceancleanup.com/fund/.
  • Gut zu wissen: Papiertragetaschen lohnen sich nur, wenn sie mehr als einmal benutzt werden. Für den einmaligen Gebrauch sind Plastiktaschen besser, da sie in der Produktion weniger ressourcenintensiv ausfallen. Generell sollte der Gerbrauch von Konsumgütern jeder Art mehrmalig sein.

Probiert das Ganze einmal aus, ihr werdet sehen, dass Plastikvermeidung leichter ist als gedacht und ihr tut euch und dem Planeten richtig viel Gutes damit!

Julia Pahl

Mein Name ist Julia Pahl, ich komme aus Südtirol und studiere Internationale Entwicklung an der Uni Wien. Ich interessiere mich hauptsächlich für Themen in den Bereichen Umweltpolitik und Medien.

Viel Spaß beim Lesen meines Blogs! 🙂

  1. Eines Tages wird der Tag X kommen an dem der ganze Plastikmüll zur Goldgrube wird.. Spätestens dann wird im Ozean kein Plastik mehr schwimmen und die Erdlöcher wieder geöffnet werden um an den kostbaren Schatz zu kommen..

      1. Ist eine Hypothese meinerseits:
        1) Gehen wir davon aus, dass in Jahren – mag sein in 50, 100, 150 oder sogar 20Jahren Erdöl zur neige geht.
        2) Wenn mann Plastik in ein Lagerfeur wirft sie da das Zeug brennt wie Zunder. Ergo hat Plastik noch immer eine sehr hohe Energiedichte in sich.
        1+2=3
        3) Dann wird der ganze Plastikmüll zum kostbaren Schatz und gefragt wie nie!

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