Aniko Balazs: „Schönheit macht man nicht, Schönheit ist!“


von Julia Reiff am

Die renommierte österreichische Modedesignerin Aniko Balazs, die schon früh ihr Talent im Studio von Christian Dior unter Beweis stellte, betrachtet Modedesign als lustvollen Ausdruck von kreativer Intelligenz. Ihr Job ist es, Schönheit und Freude zu bringen. Was das für sie bedeutet, erfahren wir in unserem #inspireMe Interview von der Künstlerin höchstpersönlich.

 

Nachdem wir durch den wunderschönen ersten Wiener Gemeindebezirk spazierten, um die Dorotheergasse 5 zu erreichen, nimmt mit Eintritt in die Eingangshalle die Faszination an Historie, Pracht und Eleganz nicht ab. Eine Marmortreppe geleitet uns vor das Atelier von Aniko Balazs. Neugierde darauf, was sich wohl hinter der Eingangstür verbirgt, erzeugt der Flatscreen, welcher eine Fashion Show der Designerin zum Empfang präsentiert. Getrieben von der Frage, was wahre Schönheit denn eigentlich wirklich ist, läutet das #inspireMe Team in Hoffnung auf Antworten an.

 

„Sie wird die Flausen schon noch auswachsen, aber wie man sieht – nein“ – Aniko Balazs

 

Aniko Balazs wurde ihre Berufung Mode zu erschaffen bereits in die Wiege gelegt. Sinn für Stil bewies sie schon in ganz jungen Jahren. Mit fünf, so erinnerte sich die heutige Designerin, ließ sie sich nur für Wintersport begeistern, indem sie auch über die Skihose ein Dirndl tragen durfte. Sie fand schon in ihrer Teenagerzeit die Kollektionen der Boutiquen nicht adäquat für sich selbst und schnipselte daher aus Leintüchern, zum Leid ihrer Mutter, Lieblingskleider für sich. Nach Bedarf wurden diese natürlich auch eingefärbt. Es scheint so, als wusste die geborene Wienerin schon ziemlich früh, welcher berufliche Weg für sie vorherbestimmt ist. Aniko gibt zu, dass ihre Eltern anfänglich hofften, dass sie eine andere berufliche Karriere anstreben würde und taten dies mit dem Gedanken, sie werde die Flausen schon noch auswachsen, für sich ab. Doch wie man sieht, ließ sich die Österreicherin mit extra feurigen ungarischen Wurzeln, von ihrem Traum, „Schönheit und Freude“ zu kreieren, nicht abbringen.

 

 

Nun wurden wir neugierig, wie die Künstlerin Schönheit für sich selbst definiert. Aniko erklärte uns, dass es selbstverständlich einen Unterschied zwischen innerer und äußerer Schönheit gibt, diese jedoch immer in einer Art Wechselwirkung zueinanderstehen. Innere Schönheit sei das, was strahlt, meint sie, und äußere Schönheit sei das Produkt davon. Oft bringt zum Beispiel viel Jugend äußere Schönheit mit sich. Diese jugendliche äußere Pracht kann schnell vorübergehen. „Kann“ heißt wiederum nicht „muss“ und hierbei ist jetzt aber nicht an das kleine Helferlein Namens Botox zu denken, denn es geht um viel mehr als das. Ein runder Mensch, der sich stets persönlich weiterentwickle und „JA!“ zum Leben sage, sei von innen und außen schön, erklärte die Designerin. Jeder Mensch habe laut Aniko einen Diamanten in sich, der nach außen strahle und je nachdem, wie zufrieden jedes Individuum mit sich selbst sei, desto schöner sei auch Mann und Frau selbst. Je älter man werde, so die Künstlerin, desto mehr komme die innere Schönheit zum Vorschein und nach außen – ein grimmiges Gesicht mit vielen Falten deute also auf viel Unzufriedenheit hin.

 

„Ich mache Mode für echte Frauen! Zu Models, welche weit unter Konfektionsgröße 36 tragen, sage ich nur – Mädel lass es und iss was!“ – Aniko Balazs

 

Auf die Frage, ob es ein Idealbild der äußeren Schönheit gebe, musste die Modeschöpferin schmunzeln und meinte, dass diese Floskeln nicht so ernst zu nehmen seien. Sie erläuterte jedoch schon, dass Mann und Frau auf das Streben nach einem gesunden Aussehen programmiert seien und dies auch nicht zu ändern sei. Solch befriedigende Eigenschaften wären zum Beispiel: eine gerade Haltung, ein federnder Gang, glatte Haut, ein natürlicher Teint, glänzende Haare, ein schöner Körperbau und einfach eine gesunde Optik.  Für Magermodels hat Aniko gar nichts übrig. Im Vergleich zu manch anderen Designern präsentiert die Künstlerin gerne ihre Kollektionen in Größe 38 am Laufsteg und betonte dabei, dass sie Mode für echte Frauen kreiere. Oft, so sagte die Expertin, gebe es bei Fashionshows Auseinandersetzungen, wenn Models zu dünn für ihre Kleider seien. “Ich,” so Aniko, “sage dann einfach nur genervt – Mädel lass es und iss was!”

 

 

„Der Prozess von der Idee zum Kleid ist im Grunde wie eine Schwangerschaft. Es gibt die intellektuelle Herangehensweise und es gibt die optischen Reize, und die befruchten sich. Dann entsteht ein Baby – das kann wachsen, aber es kann auch mittendrin sterben und abgehen. Die meisten sind zum Glück normal auf die Welt gekommen.“ – Aniko Balazs

 

Gespannt fragten wir nach dem Entstehungsprozess einer Kollektion und woher man weiß, wann ein Entwurf gut und fertig ist. Aniko erzählte uns, dass sie bereits beim Besuch der Stoffmesse, wo sie die Materialien für ihre Designs erhält, schon ihr fertiges Werk in den Kleidern sehe. Um dies für uns noch mehr zu veranschaulichen, zog sie den Vergleich zu einem Bildhauer, der auch schon im „Rohmaterial Stein“ sein fertiges Kunstwerk sehe. Weiters erzählte uns die Künstlerin von ihren Anfängen während ihres Modestudiums in Paris und von wichtigen Lektionen, die sie von Dozenten mitbekommen habe. “Unsere Professoren haben zu uns gesagt: Denke es zu Ende! Wenn du denkst dein Stück ist fertig, aber es gefällt dir nicht mehr“, so erinnerte sich Aniko, „dann geh nochmals einen Schritt zurück, dorthin, wo es für dich gut war und du mit deiner Arbeit zufrieden warst. Das Wichtigste dabei ist jedoch, dass du deine Arbeit schon von Beginn an zu Ende denkst!“, betont der Profi mit Nachdruck, denn dann wisse man, was man tue und nur so werde es gut. „Sollte jemandem deine fertige Kollektion nicht gefallen, dann gefällt sie ihm oder ihr eben nicht“, erklärte die taffe Designerin ganz entspannt. Von Kritik und Desinteresse an ihren Designs lässt sich die Künstlerin jedoch nicht unterkriegen. Selbstsicher fügte sie noch hinzu, dass man nicht vergessen dürfe, dass es auch viele geschmacklose Menschen gebe und diese dann eben Pech haben.

 

 

„Für mich hat Stil sehr viel mit Schönheit zu tun!“ – Aniko Balazs

 

Schönheit ist auch ein Aspekt des Glücks für die Wienerin und darum hat sie sich zum Credo gemacht, für ihre Kundinnen Looks zu kreieren, die Schönheit und Freude bringen. Jedoch ist sie der Auffassung, dass die Zeiten vorbei seien, wo nur Designer allein vorgeben, was Trend sei und was nicht, und Models mit ihren Kreationen über den Laufsteg schicken. Mit ihrem neuen virtuellen Designprogramm, welches sie FabStyleLab taufte, möchte sie auch Kundinnen die Möglichkeiten geben, ihre Lieblingsteile für sich selbst zusammenzustellen. Diese Plattform bietet genug Platz, um sich aus diversen Stilelementen das Passende für sich zusammenzustellen. Stil ist nämlich eine sehr wichtige Ausprägung von Schönheit für Aniko. Sie erklärte uns, dass Stil eine Art Einstellung sei und Schönheit werde dann das Produkt daraus. Jedoch betonte die Designerin, dass das mit Stil auch so eine Sache sei. Entweder habe man ihn, oder eben nicht und Stil sei auch nur bis zu einem gewissen Grad durch Beratung erlernbar.

 

 

Begeisterung und Neugierde sind mein Sprit – dafür steh ich auf, jeden Tag!“ – Aniko Balazs

 

Einen schönen Abschlussgedanken, den wir aus dem Interview mit der Modeexpertin mitnehmen, ist jener, dass wenn man sich mit einer Sache befasst, die man wirklich gerne ausübt und die einen begeistert, dies zu einer inneren Vibration führt. Diese Vibration ist ein Teil der inneren Schönheit, die einem zum Strahlen bringt. Jeder Tag, möge er auch noch so anstrengend sein, bringe etwas Schönes und Gutes mit sich, verrät uns Aniko, man müsse nur Begeisterung und Neugierde in sich tragen. Das sei auch ihr Sprit und Antrieb, mit dem sie versuche, jeden Morgen aufs Neue aufzustehen.

 

Das gesamte Interview zum Nachhören gibt’s hier:

 

Und hier geht’s zum Videoteaser:

 

    Julia Reiff

    "It always seems impossible,
    until it's done."

    - Nelson Mandela

    Musicaldarstellerin und Publizistikstudentin die in der ganzen Welt zuhause ist!
    #checkoutyourlimits

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