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Studienreise nach Rom


Figlhaus, Lehrgänge EU-MEDIEN-MISSION-WERKSTÄTTEN WIEN 2021/22

Studienreise nach ROM

“Politik-Medien-Religion” Krisen- und Friedenspolitik & Visionen – Einheit in Vielfalt für Europa

Auf der Suche nach Antworten für die drängenden Fragen von Krieg und Frieden machte sich unsere 19-köpfige Gruppe auf den Weg nach Rom.

Teilnehmer:innen aus den verschiedenen Lehrgängen und Kursen unseres Hauses, von Medien und Kommunikation über Mission bis Europa, begegneten Referent:innen und Expert:innen zu Themen der Friedens- und Krisenpolitik des Hl. Stuhls, Europas und Italiens.

Die anstehenden Wahlen in Italien beeinflussten neben dem Krieg in der Ukraine die Schwerpunktsetzung in den Vorträgen.

Besonders Prof. Gianluca Sgueo, Demokratieberater für die italienische Regierung und für das Europäische Parlament, gab uns einen Einblick in die Entwicklung der Demokratie Europas und Italiens in den letzten Jahrzehnten und einen Ausblick in die Zukunft. Die politischen Ränder werden durch die bevorstehende Wirtschaftskrise weiter verstärkt werden. Desinformation und der digitale Analphabetismus werden die europäischen Demokratien weiterhin vor große Herausforderungen stellen.

 

Beim Besuch im italienischen Senat (Senato della Reppublica) gewann die Gruppe Einblicke in die Arbeitsweise und den Arbeitsplatz der italienischen Regierung. Ob zu Ehren des prunkvollen Palastes, in dem die Senator:innen arbeiten, oder aus althergebrachter Tradition – es herrscht Sakko- und Krawattenpflicht für die Herren. Für die ausgleichende Gerechtigkeit hat dann am Freitag der Besuch im Petersdom gesorgt – auf bedeckte Knie und Schultern für die Damen wird hier tunlichst geachtet.

Einen besonders nachhaltigen Eindruck hinterließ Mario Marazziti, der uns einen Einblick in die Friedensbemühungen des Hl. Stuhls gewährte. Als ehemaliger italienischer Politiker und Vorsitzender des Menschenrechtsausschusses stellte er unsere Sicht auf den Krieg in der Ukraine in Frage. Geduldig und überzeugend plädierte er für Friedensverhandlungen, auch in der laufenden Kriegssituation.

Religion, so betont es auch der Papst, soll nicht das Problem sein, sondern ein Teil der Problemlösung!

Markus Woelke, politischer Leiter der deutschen Botschaft in Italien, empfing unsere Gruppe äußerst kurzfristig, dafür aber umso herzlicher. Nach einer ausgiebigen Sicherheitsprüfung gelangten wir, von unseren technischen Geräten und Taschen befreit, in die Räumlichkeiten der Botschaft.

Seine Aufgabe, so Herr Woelke, sei im Moment besonders, die italienische Politik daheim zu erklären und zu versichern, dass trotz harter Rhetorik Italien kein Interesse daran haben kann, dass die eingegangenen Verpflichtungen gegenüber der Europäischen Union nicht eingehalten werden.

Als ehemaliger Mitarbeiter für die Gemeinsame Sicherheits- und Außenpolitik hatte er außerdem einen guten Einblick in die deutsche Innenpolitik in der Ukraine-Frage und betonte in dieser Frage besonders die garantierte Souveränität jedes Staates und das verbriefte Recht, die territoriale Integrität auch mit Waffen zu verteidigen. Der Kontrast zwischen den Referent:innen war eine besondere Stärke dieser Reise und bereicherte unsere Sicht auf die aktuellen Entwicklungen.

Ein Highlight unseres Besuchs in Rom war die Begegnung mit Prof. Dr. Cesare Zucconi bei der Gemeinschaft Sant‘ Egidio. Gegründet wurde die Gemeinschaft von Gymnasiast:innen in Rom, sie kümmert sich im Besonderen um 3 Ps – „prayer“, „poor“, „peace“.

Das Gebet als Gründungsmoment der Gemeinschaft setzt sich in ihrem täglichen Arbeiten fort. Es trägt laut Zucconi alle Bemühungen der zahlreichen freiwillig Engagierten. Als „poor“ versteht die Gemeinschaft nicht nur die materiell Armen, von denen es in Rom immer mehr gibt, sondern auch jene, die im Alter alleine sind oder in Altersheime abgeschoben werden.

Das dritte P ist seit des Weltgebetstreffens von Papst Johannes Paul II. im Oktober 1986 ein Anliegen der Gemeinschaft. Die Aufforderung weltweit für Frieden zu beten, und dabei die unterschiedlichsten Religionen mit einzuschließen, lebt Sant‘ Egidio weiterhin und lädt jedes Jahr erneut zum Weltgebetstreffen in Assisi. Die Gemeinschaft gestaltet in der ganzen Welt Friedensverhandlungen mit, wie zum Beispiel in Mosambik: 1992 wurde nach 17-jährigem Bürgerkrieg mit unzähligen Toten und fast 4 Millionen Vertriebenen und Flüchtlingen am Sitz der Gemeinschaft in Rom ein Friedensvertrag unterzeichnet. Dieser offiziellen Unterzeichnung gingen Jahre an inoffiziellen Verhandlungen und vertrauensfördernden Maßnahmen voraus.

Am letzten Tag wurden wir von Erzbischof P. Gallagher in das Herz der Stadt, in den Vatikan eingeladen. Der Heilige Stuhl hatte in den vergangenen Jahrzehnten eine durchgehende Botschaft für brodelnde oder aktive Konflikte: Friede. Natürlich, so betont Erzbischof Gallagher, muss man dafür das Gehör der Konfliktparteien finden. Aber gerade diejenigen, die sich sonst nicht auf den Papst berufen und nicht seine Bestätigung suchen, sind trotzdem für anhaltende und gerechtfertigte Kritik aus dem Vatikan empfänglich. Es gilt also vor allem ‚dranzubleiben‘, den Zustand des Krieges nicht hinzunehmen, sondern mit allen Parteien, allen geistlichen Führern, allen betroffenen Menschen gemeinsam für den Frieden zu arbeiten.

Was bei einer Italienreise nicht fehlen darf, sind die kulinarischen Genüsse. Bei gemeinsamen Abendessen, Kaffeezeiten, Eispausen oder Absackern debattiert, philosophiert und versteht es sich besser. Was uns gemeinsam nach Rom gebracht hat, haben wir untereinander gelebt: das gegenseitige Zuhören, die interreligiöse Diskussion und der Austausch der Ideen für einen nachhaltigen Frieden in Europa.

    Stephanie Kappaurer

    Bildquellen

    Details

    Beginn:
    14. September | 08:00
    Ende:
    16. September | 20:30
    Veranstaltungkategorie:
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