Datenkrake Facebook


von Sarah Tesch am

Facebook steht immer wieder in der Kritik, nicht sorgfältig genug mit Nutzerdaten umzugehen. Was die Plattform über ihre Nutzerinnen und Nutzer alles weiß, ist oft überraschend bis erschreckend.  

Diana nutzt die Social-Media Plattform Facebook seit Sommer 2010. Damals kam das Netzwerk gerade in ihrem Freundeskreis auf und reihenweise meldeten sich die Jugendlichen dazu an. Sie posteten Partyfotos, schrieben sich gegenseitig auf die Pinnwand, chatteten mit bekannten und unbekannten Facebook-Freunden, teilten der Onlinewelt ihr Leben mit. Je mehr Informationen, je aktiver man sich zur Schau stellte, desto interessanter war jemand. “Ich hab immer darauf geachtet, in regelmäßigen Abständen mein Profilbild zu aktualisieren und auch sonst wollte ich meine Facebook-Bekanntschaften möglichst an meinem Leben teilhaben lassen”, erzählt die Studentin. In den vergangenen neun Jahren hat Diana Facebook intensiv genutzt und einen Berg an Daten über sich mit der Plattform geteilt. Mittlerweile hat sich allerdings einiges getan.

 

Facebook gehört für viele zum Alltag dazu. Bild: Pixabay

Im Frühjahr 2018 kamen die Ereignisse rund um das Datenanalyse-Unternehmen Cambridge Analytica (CA) an die Öffentlichkeit. Dabei wurden Datensätze von bis zu 87 Millionen Facebook-Nutzern ohne deren Wissen über ein Drittunternehmen an CA weitergegeben. Diese Daten sollen unter anderem dafür verwendet worden sein, Donald Trump im US-Wahlkampf zu unterstützen. Trump gewann für viele überraschend auch die Wahlen in den sogenannten Swinger States. Das sind jene Staaten, in denen sich die Anzahl von Demokraten und Republikaner etwa die Waage hält. Der erste große Skandal um Facebooks Datenschutzpolitik war somit geboren. Der zweite folgte im Herbst 2018. Hacker griffen die persönlichen Daten von 29 Millionen Facebook-Usern ab. Das Netzwerk benötigte zwei Tage, um das Datenleck zu schließen. Nach Bekanntwerden des Angriffs sank Facebooks Aktie an der Börse um mehr als 3,3 Prozent. Unbekannte stahlen dabei Daten wie Wohnort, Kontaktinformationen oder die letzten 15 Facebook-Suchanfragen.

Das digitale Gold: Wert und Nutzung von persönlichen Daten

Diese Ereignisse zeigen, wie wertvoll Nutzerdaten sind: Um sie zu sammeln werden zahlreiche Features und Funktionen entworfen, um sie zu analysieren und gezielt einzusetzen viel Geld ausgegeben. Scheinbar kostenlose Onlinedienste, wie Facebook und Google, sind eben nicht vollständig kostenlos. Im Gegenteil: jeder Nutzer bezahlt mit seinen eigenen Daten. Werbetreibende können exakt auf ihre Zielgruppe zugeschnittene Anzeigen schalten. Die Informationen dafür sammelt Facebook beispielsweise aus verschiedenen Online-Aktivitäten. Das Surfen auf der Plattform oder auf anderen Websites, Gefällt-mir-Angaben und Profilinformationen liefern dem Netzwerk die nötigen Daten. Selbst ohne Facebook-Account geht das Datensammeln weiter. Social Plug-ins auf anderen Websites machen das möglich. Sie speichern Informationen über den verwendeten Browser, die IP-Adresse und Tätigkeiten auf den besuchten Websites.

 

Nicht nur auf der eigenen Plattform sammelt Facebook die Daten seiner Nutzerinnen und Nutzern. Bild: Pixabay

Unsere virtuellen Ichs

Mittlerweile gibt es die Möglichkeit, alles was Facebook über einen “weiß”, anzufordern und herunterzuladen. Die Daten reichen zurück bis zum ersten Tag , an dem das eigene Profil erstellt worden ist. Was in Dianas Fall fast neun Jahre her ist. Allein das Zusammenstellen ihres Download-Files dauert 13 Minuten. Der Download selbst dauert nochmal sechs Minuten. Am Ende liegt eine Zip-Datei auf dem Laptop mit zahlreichen Unterordnern: Werbung, Nachrichten, Likes, Posts oder Suchanfragen sind einige davon. Die Informationen in diesen Ordnern könnten Bücher über Diana füllen. Beim Durchsehen bekommt sie ein ungutes Gefühl. So befindet sich in einem Ordner ihre komplette Telefonliste der Kontakte in ihrem Handy. Auch Opas Handynummer, der nun wirklich weit davon entfernt ist Facebook zu nutzen. “Ich war wirklich erschrocken, als ich gesehen habe, was da alles zusammengetragen wird. Ich hab mich dabei richtig durchleuchtet gefühlt”, erzählt Diana. Was macht das Netzwerk nur mit all diesen Daten?

Die Facebook-Datenrichtlinie erklärt das folgendermaßen: Die Informationen werden etwa verwendet, um…

  • …News Feed, Stories und Werbeanzeigen zu personalisieren und vorzuschlagen.
  • Ebenso von Verbesserung der eigenen Produkte und Bereitstellen von Unternehmens-Services ist dabei die Rede.
  • Außerdem verwendet Facebook die gesammelten Informationen um Forschung zu betreiben…
  • … und die Sicherheit zu erhöhen.

Facebook-Chef Mark Zuckerberg versprach, nach den Vorkommnissen im Jahr 2018 mehr für den Schutz der Nutzerdaten zu tun. Wer wirklich ein Minimum seiner persönlichen Daten preisgeben will, der müsste Online-Dienste allerdings weitgehend meiden.

Diana hat sich daher vorgenommen, in Zukunft mehr darauf zu achten, wie sie online unterwegs ist. Auch wenn sie nicht komplett darauf verzichten kann, will sie darauf achten, was sie im Internet öffentlich von sich preisgibt.

Das folgende Video erklärt, wie man die eigenen Daten von Facebook zusammentragen und herunterladen kann:

 

Es gibt Wege, sich zu helfen

Da viele Menschen nicht auf Soziale Netzwerke verzichten wollen oder können, müssen sie andere Verhaltensweisen finden. Eine wäre beispielsweise, sich nicht mit dem Facebookprofil auf anderen Plattformen, wie Spotify und Co. anzumelden, da diese Daten sonst ebenfalls an das Netzwerk weitergegeben werden. Ein Browsererweiterung von Mozilla-Firefox bietet ebenfalls eine Möglichkeit, seine Daten besser zu schützen. Dabei wird die Browseridentität isoliert und so das Surf-Verhalten schwerer nachvollziehbar gemacht.

 

Dieser Beitrag entstand im Rahmen des Medien-Lehrgangs 2019 als journalistische Praxis-Arbeit. Thema und Inhalt dieses Beitrags wurden durch die Autorin selbstständig gewählt und recherchiert.

Bildquellen

  • adam-muise-E3XbhVJLu8w-unsplash: Unsplash

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