Drei Laib Brot aus dem Tiroler Kaunertal für Papst Franziskus


von Norbert Oberndorfer am

Van der Bellen bei Papst Franziskus: „Grüß Gott“

„Brot und Salz“ – das sind in vielen Ländern traditionelle Geschenke, die geladene Gäste im Rahmer einer „Housewarming“-Party dem Gastgeber und auch bei einer Hochzeit Jungvermählten mit dem Wunsch für Gemeinschaft, Wohlstand und Sesshaftigkeit überreichen. Der amtierende Bundespräsident Alexander Van der Bellen, den wir bereits einige Male bei uns im Figlhaus als ‚Dialogpartner‘ begrüßen durften, überreichte Papst Franziskus diesen Donnerstagvormittag in Rom drei Laib Brot aus seiner Tiroler Heimat. Vermutlich waren sie bereits ordentlich gesalzen. „Eigentlich müsste man es herausnehmen und brechen“ – ganz als Priester präsentierte sich Franziskus, als ihm dann von Van der Bellen drei Brotlaibe aus seiner Heimat, dem Kaunertal, übergeben wurden. Letztlich blieben diese unversehrt.

„Ich spreche leider nur schlecht deutsch und brauche einen Dolmetscher“, entschuldigte sich Franziskus, der als junger Mann ein Jahr in Deutschland studiert hatte, zu Beginn des etwa 25 Minuten dauernden Gespräches. Der Bundespräsident zeigte sich danach aber äußerst angetan vom Meinungsaustausch mit dem katholischen Kirchenoberhaupt.

 

„Die Mischung aus Intelligenz und Spiritualität hat mich beeindruckt“

Vom Papst, den er als Nichtkatholik als „Repräsentanten einer ethisch und humanistisch orientierten Organisation“ schätze, könnten auch Politiker viel lernen, meinte Van der Bellen. „Er ist einer, der mit seinen Formulierungen Bilder schafft, die direkt ins Herz gehen. Das vermittelt eine Spiritualität, die man über die Jahre vermisst hat.“ Möglicherweise nehme er das aber auch vor allem persönlich so auf, räumte der frühere Universitätsprofessor ein, weil er als Wirtschaftswissenschaftler eher gelernt habe, nüchtern zu denken und analysieren.

Van der Bellen erinnerte erneut an ein von Franziskus verwendetes Zitat aus dem Matthäus-Evangelium: „Ich war fremd, und ihr habt mich aufgenommen.“ Schöner und kürzer könne man „die Frage der Annahme von Menschen in Not und ihre spätere Integration nicht formulieren“.

 

Gespräch mit Parolin über Flüchtlinge

Das Thema Flüchtlinge habe er nach dem Treffen mit dem Papst auch mit dem Kardinalstaatssekretär Pietro Parolin diskutiert, erzählte Van der Bellen. Gegenüber Journalisten zeigte sich der 73-Jährige auch verwundert, wie das Thema in Österreich behandelt werde. „Ich verstehe die Situation nicht. Wir hatten 2015 echte Probleme bei der Aufnahme und Versorgung“, so der Bundespräsident, seither seien die Asylanträge aber sukzessive deutlich zurückgegangen.

Es sei daher merkwürdig, dass die Sorgen und Ängste heute „eine größere Rolle spielen als bei der echten Krise 2015“. In dem Gespräch mit Franziskus sei in diesem Zusammenhang auch erwähnt worden, dass beide aus Migrantenfamilien stammten, erzählte Van der Bellen. Der Vater des Papstes war aus Italien nach Argentinien ausgewandert, Van der Bellens Familie stammt aus dem Baltikum.

 

 

Einladung nach Österreich

Van der Bellen lud Franziskus auch nach Österreich ein. Eine Visite des 80-jährigen Papstes sei in nächster Zeit aber wenig realistisch, räumte er hernach ein. „Er reist dort hin, wo es brennt.“ Das sei gewissermaßen ein Nachteil für Österreich. „Bei uns brennt nichts. Er verstehe, dass es für den Papst nicht dringend sei, ein EU-Land zu besuchen, wo es den Menschen verhältnismäßig gut gehe.

Der ehemalige Grünen-Politiker, der früher der evangelischen Kirche angehört hatte, aber seit Jahrzehnten konfessionslos ist, beendete seine Reise in den Vatikan bereits früher, als es ursprünglich vorgesehen war. Van der Bellen reist am Donnerstagabend nach Wien zurück. Der für Freitag geplante Besuch beim Souveränen Malteser-Ritter-Orden wurde ebenso auf Donnerstagnachmittag vorverlegt wie jener bei der insbesondere in Flüchtlingsfragen engagierten Gemeinschaft Sant’Egidio. Gestrichen wurden dafür Besichtigungen des Petersdoms und der Sixtinischen Kapelle.

Norbert Oberndorfer

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Background: 7J Medien, 10J IT, Dipl. Wirtschaftsinformatiker

Bildquellen

  • Alexander van der bellen papst franziskus 16. November 2017: APA/HBF/Peter Lechner

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