Ein Kommunikationsprofi, ein Kardinal und eine Schauspielerin auf der Suche nach dem „Klebstoff“ für die Krisen der Welt


von Norbert Oberndorfer am

Was hält die Welt noch zusammen? Kardinal Christoph Schönborn, ‚Präsidentenmacher“ Martin Radjaby und Schauspielerin Ulrike Beimpold begaben sich letzten Mittwochabend im Wiener Figlhaus auf die Suche nach einem geeigneten „Klebstoff“ für die Welt. Die Rezeptur klingt vielversprechend. Von Kriegshetzern und Friedensverweigerern über die Ohnmacht der Feindesliebe hin zur Frage „Why?“.

Akademie für Dialog und Evangelisation/Figlhaus Wien.

Schönborn zeigte sich tief erschüttert. Auf seine Frage an einen bekannten Top-Berater Trumps, warum die USA nicht einfach im Nahen Osten Frieden schließen wolle und ob sie einen 30-Jährigen Krieg wie damals in Europa anfeuern wollen, erwiderte dieser ihm schlicht: „Eben, es hat dreißig Jahre gebraucht, damit die Mächte in Europa es wirklich verstanden hatten“. Schönborn warnte vor der Option und Gangart à la „weiter Waffen, weiter Krieg“. Er erinnerte an 1914, 1939 und die Kausalität der zwei Weltkriege, die sehr viel Leid in Europa im letzten Jahrhundert angerichtet hätten.

Der Wiener Kardinal ermutigte die anwesenden StudentInnen „die scheinbare Ohnmacht dessen, der auf den Anderen zugeht“ zu überwinden: „Die wirkliche Stärke besteht darin, den anderen nicht als Feind zu betrachten“. Schönborn würdigte dabei das Lebenswerk von Martin Luther King, Mandela und Ghandi, die alle drei gezeigt hätten, „es ist möglich und es ist sogar vernünftig.“

Für Ulrike Beimpold resultiert das Leid der Welt daraus, dass Menschen glauben, sie seien nicht miteinander verbunden. „Wir sind nicht getrennt. Was ich meinem Gegenüber tue, tue ich mir selbst“, so Beimpold. Der Dialog und das Zuhören sind für Beimpold ein Schlüssel zum erfolgreichen Miteinander: „Das Fragen ist manchmal wichtiger als das Antwort geben. Und dazu gehört das „Zuhören können“.

Der Kommunikationsstratege Martin Radjaby, der in seinem Handwerk Menschen für Dinge begeistern will, empfindet die Frage des „Why“ als Schlüssel für etliche Krisen in der Welt: „Warum sind wir hier als Organisation, als Gemeinschaft, als Paar …?“ Die Organisation, die momentan das stärkste „Why“ habe und wenig daraus mache, sei seiner Meinung nach die Kirche. „Sie hat ein ‚Why‘. Sie vergisst es aber zu kommunizieren“, glaubt Radjaby. Der Stratege drängt auf eine rasche Auseinandersetzung mit dem technologischen, digitalen Wandel, der massive, nicht-abschätzbare Auswirkungen auf unsere Gesellschaft und unsere Beziehungen haben werde.

Rückfragen:
norbert.oberndorfer@akademie-wien.at

Norbert Oberndorfer

Media, Communication & More
Background: 7J Medien, 10J IT, Dipl. Wirtschaftsinformatiker

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