Im Zeitalter von Globalisierung und Kapitalismus: Ist Umweltschutz zu teuer?


von Stefan Grassl am


Die zunehmende Gier nach Profit in Verbindung mit technischen Fortschritten führt zu einem immer respektloseren Umgang mit unserer Umwelt – mit verheerenden Folgen. Kaum einer kennt sie nicht: Bilder von indonesischen Palmölplantagen, verschmutzten Flüssen in China und Elektroschrott-Müllhalden in afrikanischen Staaten. Von den riesigen Slums der „Megacities“ rund um den Globus oder von den schmelzenden Eismassen an den Polen. Warum wir diese Bilder kennen? Weil beim Streben nach finanziellem Gewinn scheinbar kein Platz für Umweltschutz ist. Scheinbar.

In den letzten Jahrzehnten hat die Menschheit unglaubliche Errungenschaften gemacht und damit die Welt nachhaltig verändert. Doch nicht alle Veränderungen waren zum Guten: So wurde ein beträchtlicher Teil unserer natürlichen Umgebung zerstört, immer mehr Tiere und Pflanzen stehen auf der „Roten Liste“ der vom Aussterben bedrohten Arten und der Klimawandel schreitet unaufhaltsam voran. Zwar gibt es auch erfreuliche Meldungen, wie beispielsweise die Ankündigung Chinas, massiv in den Ausbau erneuerbarer Energien investieren zu wollen, doch die Negativmeldungen reißen nicht ab: Laut einem aktuellen Bericht könnte die indische Stadt Bangalore durch zunehmende Umweltverschmutzung bereits 2025 unbewohnbar sein.

Viele Menschen verstehen nicht, warum angesichts dieser Situation nicht eher gehandelt wird. Viele sind frustriert. Viele resignieren. Viele wenden sich von dem Thema ab. Und viele sehen in der aktuellen Entwicklung kein Problem – ein ernstes Problem.

Nashörner – durch illegale Jagd vom Aussterben bedroht

 


Beispiel: Klimawandel

Auch wenn eine Vielzahl an Experten regelmäßig auf das Problem Klimawandel hinweist und alarmierende Berichte zu raschem Handeln aufrufen, stehen noch immer zu viele Menschen dem Thema skeptisch gegenüber. Einige wenige – wie zuletzt etwa Scott Pruitt, seit Kurzem Chef der US-Umweltbehörde EPA – bezweifeln, dass der Mensch eine Verantwortung dafür trägt oder leugnen sogar seine Existenz. Dabei wäre es notwendig, dass die Menschen in dieser so wichtigen Frage an einem Strang ziehen, wie auch der Ökonom Gernot Wagner und der Harvard-Professor Martin L. Weitzman in ihrem Buch „Klimaschock“ schreiben:

„Der Klimawandel ist deshalb ein Problem, weil zu wenige von uns es als eines betrachten. Diejenigen von uns, die es für ein Problem halten, können wenig dagegen tun, wenn nicht auch alle anderen handeln. Entweder lösen wir das Problem für alle oder wir lösen es für niemanden von uns.“¹

Wir müssen also mehr Überzeugungsarbeit leisten und die Menschen für das Thema Umweltschutz sensibilisieren. Doch wie stellen wir das an? Es macht beispielsweise wenig Sinn, Leute durch Weltuntergangsszenarien zum Umstieg auf Elektroautos bewegen zu wollen. Das würde einige erst recht nur frustrieren. Nehmen wir uns vielmehr ein Beispiel an der Werbung: In möglichst kurzer Zeit wird hier versucht, den Zusehern ein Gefühl zu vermitteln, dass diese ein bestimmtes Produkt im Leben brauchen. Auch Umweltschützer müssen wieder vermehrt den konkreten Nutzen von einzelnen Umweltschutzmaßnahmen im Leben der Betroffenen ins Zentrum stellen.

Umweltschutz – Nachhaltigkeit für künftige Generationen

 


„… aber Umweltschutz kostet!“

Wie aber mit jenen umgehen, die sich Sorgen um negative finanzielle Auswirkungen auf die Wirtschaft und damit auf ihr eigenes Vermögen machen? Es ist ja kein Geheimnis, dass auch Umweltschutz kurzfristig oftmals mit Kosten verbunden ist. Die entscheidende Frage sollte jedoch die nach der langfristigen Perspektive sein, und dabei stehen Umweltschutz und das Streben nach finanziellem Gewinn nicht unbedingt im Gegensatz zueinander.

Umweltschutz ist Gefahrenprävention. Bei akuten Gefahren sind mögliche Folgen meist gut abschätzbar und erleichtern somit das „richtige“ Handeln. Wagner und Weitzman stellen fest:

„Jeder Hausbesitzer wäre gut beraten, […] das undichte Ventil am Gasherd zu reparieren […].“²

Allein deshalb ist Umweltschutz sinnvoll. Doch es gibt ein Problem: Wie soll man handeln, wenn man die Folgen nicht absehen kann? Viele Skeptiker steigen an diesem Punkt aus. Doch wollen wir, nur weil wir die Zukunft nicht exakt vorhersagen können, diese leichtsinnig aufs Spiel setzen? Eine mögliche Gefahr wird durch die Leugnung ihrer Existenz nicht aus der Welt geschafft. Man könnte die Kosten für Umweltschutz doch auch als eine Art Versicherungsprämie betrachten. Mit dem Unterschied, dass der Eintritt des Schadensfalls dabei verhindert oder zumindest seine negativen Auswirkungen gering gehalten werden sollen. Denn schließlich, so Wagner und Weitzman, würden sich ja auch

„[..] die meisten Eigenheimbesitzer mit einer Feuerversicherung für den unwahrscheinlichen Fall [schützen], dass das ganze Haus doch wegen eines außergewöhnlichen Unfalls abbrennt. […] Es ist keine Schwarzseherei. Es ist ein umsichtiger Schritt. Die Kosten wären […] zu groß, als dass es zu rechtfertigen wäre, bei der Versicherungsprämie zu knausern.“²

Schlechte Luft macht mehr als nur schlechte Laune

 


Umweltverschmutzung kostet mehr

Überhaupt sollte die Frage nach den Kosten für Umweltschutz nicht isoliert betrachtet werden. Es ist dringend notwendig, auch die Kosten in die Diskussion miteinzubeziehen, die durch mangelnden Umweltschutz entstehen. Schon länger ist bekannt, dass diese deutlich höher sind, sofern man sie überhaupt beziffern kann.

Zudem gibt es zahlreiche Studien zu diesem Thema, so zum Beispiel eine der OECD aus dem Jahr 2014 zum Thema Luftverschmutzung. Hauptaussage damals: Luftverschmutzung ist nicht nur ungesund und verantwortlich für den Tod von mehreren Millionen Menschen pro Jahr, sondern kostet die OECD-Staaten plus China und Indien jährlich auch 3,5 Billionen Dollar. Weitere Beispiele? Durch intensive Landwirtschaft und Monokulturen geht wertvoller Boden verloren. Der steigende Meeresspiegel geht mit enormen Kosten für Dämme und Pumpsysteme in von Überflutung bedrohten Städten einher – zumindest dort, wo man es sich leisten kann.

Selbst jene, deren vorrangiges Ziel Profitmaximierung ist und denen das Wohlergehen anderer nur bedingt oder gar nicht wichtig ist, sollten also eigentlich gewichtige Gründe haben, Umweltschutz zu befürworten. Denn immerhin sind die negativen Folgen unseres Handelns für alle spürbar. Beispielsweise raubt die Überfischung der Weltmeere unzähligen Menschen ihre Lebensgrundlage. Nicht fachgerecht entsorgtes Plastik findet heute schon den Weg zurück in unsere Nahrungskette. Ein Mangel an Wasser durch den Bau von Staudämmen könnte vermehrt zu bewaffneten Konflikten zwischen Staaten führen. Diese Aufzählung ließe sich endlos fortsetzen…

Nicht fachgerecht entsorgtes Plastik findet den Weg in unsere Nahrungskette

 


Was will mir der Beitrag nun eigentlich sagen?

Wenn wir also so weiter machen wie bisher, gefährden wir uns selbst – gesundheitlich wie finanziell. Wir gefährden aber nicht nur uns, sondern vor allem auch unsere Kinder und Enkelkinder, für welche die negativen Folgen vermutlich noch schwerer ausfallen werden. Sich für Umweltschutz und Nachhaltigkeit einzusetzen ist zweifellos löblich, man muss dies jedoch nicht zwangsläufig aus einer ideologischen Positionierung heraus tun. Menschen können im Leben auch lediglich auf ihren eigenen wirtschaftlichen Vorteil bedacht sein und Umweltschutz dennoch befürworten. Denn eines muss uns allen klar sein:

 

Umweltschutz kostet, aber kein Umweltschutz kostet mehr.

 

 

. . . wir haben die Wahl.

Umweltschutz kostet, aber kein Umweltschutz kostet mehr – wir haben die Wahl

 


¹ Wagner, Gernot u. Weitzman, Martin L. (2016): Klimaschock – Die extremen wirtschaftlichen Konsequenzen des Klimawandels; Wien: Ueberreuter; S. 104.

² Wagner, Gernot u. Weitzman, Martin L. (2016): Klimaschock – Die extremen wirtschaftlichen Konsequenzen des Klimawandels; Wien: Ueberreuter; S. 155.

 

Titelbild: https://pixabay.com/de/industrie-sonnenaufgang-himmel-luft-1761801/

Alle anderen Bilder im Eigentum des Autors.

    Stefan Grassl

    Student | Rechtswissenschaften | Politikwissenschaft
    CIFE-EU-Lehrgang | Medienkompetenz-Lehrgang
    Politik | Umwelt | Wirtschaft | Zeitgeschichte

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