Heute schon ge(vor)urteilt? – Vorurteile als tägliche Wegbegleiter


von Pauline Kinzel am

„Ent-schubladisieren – ein Weg aus der Vorurteilskommode!“

Es war nachmittags. Den Tag selbst weiß ich nicht mehr. Ich weiß jedoch, dass ich zwischen Aufgaben für die Universität schnell einmal auf Facebook schauen wollte, was sich hier so Neues tut. Und dann war da das Video, gepostet von einem guten Freund, direkt auf meiner Startseite. Drei Minuten nach dem ich auf Play gedrückt habe, starrte ich mit Tränen in den Augen auf den Bildschirm und musste nachdenken. Nachdenken über mich, über die anderen, und vor allem über uns.

Viele werden sich jetzt bestimmt fragen: Was denn für ein Video? Das will ich auch sehen!  

Bei dem Video, welches seit Januar auf diverse soziale Netzwerke, unter dem Titel „All That We Share“, kursiert, handelt es sich um eine Werbung von und für den meistgesehenen Fernsehsender Dänemarks TV2.
Der Clip beginnt damit, dass verschiedenste Gruppen von Menschen in einem Raum auftauchen, welche sich in, am Boden aufgezeichnete Schubladen, einordnen. Jene Gruppen von Menschen bestehen beispielsweise aus den Reichen, den Armen, den Vertrauenswürdigen, den Zwielichtigen, den Leuten vom Land oder auch denen, „die noch nie eine Kuh gesehen haben“. Als nächstes tritt ein Mann in den Raum, welcher die fein säuberlich, in Stereotypen getrennte Gruppen, mit folgenden Worten begrüßt: „Willkommen! Ich werde Ihnen einige Fragen stellen. Manche davon könnten ein wenig persönlich sein.“ – Aber seht am besten einfach selbst….

 

Und was will ich jetzt damit sagen?

Mein Anliegen ist es somit, etwas eigentlich vollkommen Verständliches, nämlich das Denken uns wieder bewusst zu machen. In einer Welt, welche von Trump-News, Terroranschlägen und der Flüchtlingskrise überschüttet wird, wird meiner Ansicht nach immer öfter geurteilt, ohne ausreichendes Hintergrundwissen und Fakten zu kennen. Und das ist gefährlich, denn dadurch entstehen „Schubladen“, die für Individualität, kritisches Hinterfragen und auch dem Verstehen von anderen Personen, oder gar Gruppen wenig Raum lassen. Immer häufiger wird blind die Meinung des Gegenübers übernommen und weitergegeben.   

Des Weiteren ist es mir vor allem auch ein Anliegen, in einer Zeit wie heute, welche von Fremdenfeindlichkeit und Hass auf Andersdenkende geprägt wird, zu zeigen, wie ähnlich wir alle eigentlich sind. Wir diskutieren immer öfter darüber, was uns trennt und wodurch wir uns von anderen abheben, doch vergessen dabei vollkommen, wie wichtig es ist, darauf zu schauen, was uns eint.

Trotz der Hektik und des Stresses des Alltages appelliere ich somit an die Menschlichkeit, welche an aller erster Stelle stehen sollte, bevor wir über andere urteilen. Doch neben der Menschlichkeit ist es mir auch ein großes Anliegen auf zentrale, jedoch leider immer mehr untergehende Grundpfeiler, wie Liebe, Toleranz und Akzeptanz aufmerksam zu machen.

Abschließen möchte ich meine Gedanken mit einem Zitat des österreichischen Schriftstellers Ernst Ferstl.

„Solange uns die Menschlickeit miteinander verbindet, ist es völlig egal, was uns trennt“

Pauline Kinzel

Theater-Film und Medienwissenschaften Studentin

Reiselust/Pinguin-Liebhaberin/Optimistin/Spaßvogel & "Irgendwas mit Medien"

“Life isn't about waiting for the storm to pass...It's about learning to dance in the rain.”

Antworten oder kommentieren

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.