I have a dream


von Sarah Kröll am

I have a dream

In letzter Zeit hört man viel von „gespaltener Gesellschaft“ und die Geschichte hat im Jahr 2017 nun auch einen offen fremdenfeindlichen und rassistischen Präsidenten an der Spitze der USA hervorgebracht. Deshalb ist es mein Anliegen, einen kleinen Beitrag dazu zu leisten, dass diese Welt nicht noch diskriminierender wird und sich an einer Vergangenheit orientiert, die wir eigentlich längst hinter uns dachten.

Ich will mich hiermit an euch richten, diejenigen, die ihr alle, genau wie ich, sich in ihrem Leben egal auf welche Weise und in welchem Ausmaß für soziale Themen begeistern können und denen nicht egal ist, wie es mit uns weitergeht. Besonders da ich persönlich fest daran glaube, dass jeder und jede von uns selbst dafür verantwortlich ist, wie sein Umfeld aussieht, möchte ich euch hiermit dazu anregen, sich einmal mit solchen Dingen wie Rassismus und Diskriminierung auseinanderzusetzen, sich Gedanken zu machen und kritisch zu fragen, wie man selbst hierzu eigentlich steht. Sicher werden sich jetzt viele denken, dies ist keine besonders erfreuliche Aufgabe und vielleicht findet man es sogar nicht wirklich notwendig, weil wir ja das Jahr 2017 schreiben und für solche schlimmen Sachen ja gar keinen Anlass mehr sehen? Nun, es tut mir leid, dem widersprechen zu müssen, aber es ist nun mal nicht so.

Vielmehr erleben tagtäglich hunderte Menschen am eigenen Leib, besonders in den Vereinigten Staaten von Amerika, dass wir darüber noch lange nicht hinweg sind. Selbst wenn ein Gesetz besagt, in unserer Gesellschaft wäre kein Platz mehr für Diskriminierung, ist dies noch lange nicht in den Köpfen aller angekommen und umgesetzt worden. Junge, afroamerikanische Burschen werden für Taten hinter Gitter gesperrt, welche in keiner Weise einen Gefängnisaufenthalt rechtfertigen würden. Menschen mit schwarzer Haut haben eine viel höhere Quote von Arbeitslosigkeit zu verzeichnen, sind viel anfälliger, am Rande der Armutsgrenze zu leben und, besonders in den Südstaaten, wird ihnen ein gleichberechtigter Zugang zu Bildung und Aufstieg häufig verwehrt. Klingt alles noch zu abstrakt und weit hergeholt? Nun, ich kann persönlich zu 100 Prozent bestätigen, dass Rassismus heutzutage noch ein alltägliche, unbemerkte Tatsache ist. 2013 hatte ich das Glück, ein Semester als Austauschschülerin in einer typischen US-amerikanischen High School zu verbringen. Bei all den wundervollen Erfahrungen, die ich dort gesammelt habe, hat mich aber dennoch am meisten geprägt, mit welchem gewaltigen Ausmaß Diskriminierung auf der Tagesordnung im Schulalltag steht. Schüler und Schülerinnen mit dunkler Hautfarbe sitzen in der letzten Reihe, sind praktisch unsichtbar und unhörbar. Selten meldet sich jemand, um seinen Beitrag zum Unterricht zu leisten, niemand traut sich, auch nur eine Frage bei Unklarheit zu stellen. Aufgerufen oder gar gelobt werden Afroamerikanerinnen von Lehrpersonen prinzipiell nicht. Am Gang stehen sie alleine oder in abgeschlossenen Grüppchen von der Mehrheit der Klasse getrennt, bei Feierlichkeiten oder Sportveranstaltungen reißt sich niemand darum, mit ihnen ein Team zu bilden. Ich, die eigentliche Fremde, muss nur ein, zwei Wochen in der neuen Umgebung verbringen, um integrierter und akzeptierter zu werden, als viele andere, die schon ihr ganzes Leben dort verbringen. Aber ich kann noch genügend weitere Beispiele aufzählen, die nicht auf einem anderen Kontinent stattfinden, sondern in unserer unmittelbaren Nähe, im ganz normalen Leben, bei denen uns meist nicht bewusst ist, dass sie überhaupt existieren. Beispielsweise; wie viele schräge Blicke erhalten schwarze oder „anders“ aussehende Personen wohl so am Tag, wenn sie in der U-Bahnlinie U6 fahren und am besten noch an der Station „Thaliastraße“ einsteigen? Wie viele „besorgte“ Mütter nehmen ihre Kinder schnell beiseite und stellen sie hinter sich, um ja von den seltsamen Fremden so weit wie möglich entfernt zu sein? Wie viele Millionen Menschen, seien sie dunkelhäutig, asiatisch, mit Turban oder Kopftuch bekleidet, werden bei „random checks“ an Flughäfen ohne Grund und Berechtigung durchsucht? Einfach weil sie irgendwie anders aussehen oder irgendeinen Namen wie „Mohammed“ tragen.

 

 

Warum ist dies so? Und noch viel wichtiger: Was können wir dagegen tun? Soziale Gerechtigkeit betrifft uns alle und von einer  Gesellschaft, in der alle Menschen nicht nur formell, sondern tatsächlich, die gleichen Chancen auf Wohlstand haben, profitiert die Gesamtheit am meisten, dies ist schon häufig erwiesen worden. Deshalb ist es so wichtig, dass wir uns mit diesen Dingen beschäftigen und aktiv daran arbeiten, dass dieser Traum, eine gerechte Welt, in Erfüllung gehen kann, zum Wohle von uns allen. Dieser Traum ist derselbe, wie ihn schon Martin Luther King Jr. in den 1960ern hatte, und auch mehr als 60 Jahre später ist von seiner Bedeutung und Aktualität nichts verloren gegangen. Meine lieben Leute, ihr alle: Steht auf und engagiert euch, schreitet ein, wenn ihr Ungerechtigkeiten seht und tretet ein für eure Überzeugungen. Lasst uns gemeinsam den einen bekannten „dream“ wahr machen und nicht nochmals ein halbes Jahrhundert verstreichen lassen.

Sarah Kröll, Studentin im Medienkompetenz-Lehrgang und interessierte Bürgerin, Studentin und angehende Schriftstellerin mit einem Traum.

Sarah Kröll

über mich:
Studentin in Wien
Tirolerin
Leserin
Schreiberin
engagierte Bürgerin 🙂

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