„9/11 never forget, 11/9 forever regret“


von Anna Mayer am

usa

 

Diesen Kommentar habe ich heute an der Bushaltestelle der Duke aufgeschnappt. Die Stimmung auf dem Campus ist betrübt und vielleicht erscheint es mir nur so, aber den ganzen Tag ist es heute ruhiger als sonst. In meinen Kursen waren heute sehr müde Gesichter zu sehen, schließlich haben die meisten die Liveübertragung verfolgt.

Ich möchte deshalb kurz meine Eindrücke der gestrigen Nacht sammeln: Nach dem ich gemeinsam mit Freunden eine Kleinigkeit in einem Imbiss gegessen hatte, sind wir alle in mein Appartmentkomplex gegangen, weil eine gemeinsame Freundin zur ‚Election Party‘ einlud. Da ich meine Hausaufgaben noch nicht fertig hatte, bin ich noch einmal zurück in mein Zimmer und habe fleißig gearbeitet. Um etwa 22 Uhr, also knapp eineinhalb Stunden nach Beginn der Übertragung, nahm ich den Aufzug ins Erdgeschoss. Und was ich dort sah, war nicht unbedingt überraschend: Trump führte leicht.

Nachdem aber weitere Hochrechnungen eintrudelten, blickte ich in immer unsichere Gesichter. Ohio in rot und dann auch noch North Carolina…Gefühlt Stunden verharrten wir dann vor dem Bildschirm und blickten auf die Entwicklungen in Pennsylvania. Nach und nach verließen schon Gäste von weiteren Wahlpartys den Apartmentkomplex und irgendwann, nachdem auch die Zuckerbäcker des amerikanischen Lebkuchens (s. Beitragsbild) den Gruppenraum verließen, begann sich auch unsere Gruppe aufzulösen.

Am Ende saß dann noch ein „harter Kern“ vor dem Fernseher. Den europäisch anmutenden Käse und den köstlichen Hummus der Gastgeberin haben wir kaum genießen können und mit dem wachsenden Vorsprung von Trump begannen die Märkte zu reagieren und ja, irgendwann klappten mir dann auch die Augen zu.

Gegen halb zwei Uhr morgens muss ich dann wohl wieder aufgewacht sein. Es kann auch zwei Uhr morgens gewesen sein als ich dann Trump im Bild sah inkl. der Bildunterschrift „Trump next President“. Ich habe einige Minuten gebraucht, um zu realisieren, dass das gerade kein Traum sonder ein Albtraum ist. Nun, seine Rede ließ dann die Märkte ein wenig beruhigen. Die Auswahl seiner Hintergrundmusik sollte jedoch Beachtung erhalten….

Und jetzt? Ich werde mich wohl in den nächsten Blogeinträgen stärker auf Restaurants- und Cafétipps spezialisieren.

Falsch gedacht: Rückblickend auf meinen Post über Clinton und Bob Dylan bin ich den LeserInnen des Blogs eine Information schuldig geblieben. Nachdem vor einigen Wochen ein Video von Trump auftauchte, in dem er explizit sexuelle Gewalt beschönigte, bin ich davon ausgegangen, dass nun offensichtlich ist, welche Werte Trump vertritt.

Dass dieses Wissen nicht unbedingt dazu führt, dass sich die WählerInnen klar für die Gegenkandidatin entscheiden, hatten die amerikanischen Hochrechnungen einige Tage vor dem Wahltag gezeigt. Dass es eine knappe Geschichte wird, kann dann in Anbetracht aller Umstände, d.h. u.a. Unbeliebtheit von Clinton, E-Mail-Skandal, auch noch verstanden werden. Dass Clinton dann aber doch so wenig Rückhalt unter den Demokraten, insbesondere in Staaten hatte, wo Sanders große Unterstützung erfuhr,  d.h. die Menschen auch einfach nicht zur Wahl gegangen sind, ist ein entscheidender Grund für den Wahlausgang.

„Every nation gets the government it deserves“ (Joseph de Maistre) habe ich nach dem Wahlergebnis in den sozialen Medien oft gelesen. Dem ist nicht viel mehr hinzuzufügen, außer die Tatsache, dass ich es wichtiger denn je erachte, dass sich engagierte Demokratinnen und Demokraten vernetzen. Ich bin jederzeit via die Verantwortlichen im Figlhaus erreichbar und freue mich, wenn einige Ideen ausgetauscht und umgesetzt werden.

 

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  • usa: Anna Mayer

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